IRB Ritterhude: Presseartikel

Vor 13 Jahren hat Axel Schäfer den Vorsitz der Interessengemeinschaft Ritterhuder Betriebe (IRB) übernommen. 13 Jahre – für ihn der richtige Zeitpunkt, um das Amt in neue Hände zu geben.

Herr Schäfer, was trieb sie als gelernten Bankfachwirt dazu, vor 13 Jahren den Vorsitz bei der Interessengemeinschaft Ritterhuder Betriebe zu übernehmen?

Axel Schäfer: Ich war damals schon 16 Jahre als selbstständiger Finanzplaner in der Gemeinde Ritterhude tätig. Mir schien das der richtige Zeitpunkt, um in Ritterhude eine ehrenamtliche Tätigkeit zu übernehmen. Dazu kam, dass die IRB 2006 kurz vor der Auflösung stand, weil kein Vorsitzender gefunden wurde. Ich bin daraufhin in mich gegangen und habe gemerkt, das würde gut passen. Grundsätzlich wusste ich damals schon, dass mich die Sache als solche – also Verantwortung für die Wirtschaft und die Gewerbetreibenden in Ritterhude zu übernehmen, Ideen zu entwickeln, mit dem Verein umzusetzen und federführend zu begleiten – begeistert. Mir ging es damals um die Stärkung des Gewerbestandorts Ritterhude, um eine Vernetzung der Betriebe untereinander und um die soziale Verantwortung – also um meine eigene soziale Verantwortung, als auch um die des Gewerbevereins innerhalb der Gemeinde.

Warum stellen Sie diese Aufgabe nun zur Disposition?

Ich finde, 13 Jahre ist eine gute Zeit, um etwas zu gestalten und zu hinterlassen. Andererseits, finde ich, ist es Zeit zu sagen, nun müssen mal neue Köpfe ran, die das Geschaffene mit einem anderem Blick sehen und vielleicht neue Dinge entwickeln, die ich überhaupt nicht auf dem Schirm habe. Ich glaube, ein Verein wie die IRB braucht irgendwann einfach neue Ideen, braucht neue Ansprechpartner.

Können Sie sich vorstellen eine andere Rolle im Vorstand zu übernehmen?

Ich habe immer gesagt, dass ich als Mitglied im Verein bleibe; meine Entscheidung ist ja keine Flucht. Und sollte es die oder der Vorsitzende wünschen – würde ich auch im Vorstand weiter tätig sein, um den Übergang optimal zu gestalten.

Wozu benötigt Ritterhude die IRB?

Wenn ich allein darauf schaue, was wir in den vergangenen 13 Jahren mitgestaltet haben, glaube ich, sind wir ein sehr lebendiges und gestalterisches Element der Gemeinde. Wir haben zum Beispiel 2007 mit Bürgermeisterin Susanne Geils den ersten Neujahrsempfang der Gemeinde ins Leben gerufen. Es gibt auch viele andere Bereiche, in denen wir mit der Politik im Austausch stehen, wo wir Dinge vordenken, wo wir im Sinne der Wirtschaft versuchen, mitzugestalten. So haben wir eine feste Runde, in der sich Vertreter der IRB mit den Fraktionsvorsitzenden, dem Wirtschaftsförderer und der Bürgermeisterin treffen. Dort tauschen wir uns ganz offen über Ideen aus. Alle fünf, sechs Monate findet das statt. Gibt es besondere Themen, wie zum Beispiel Maßnahmen, die die Gewerbebetriebe beeinträchtigen, suchen wir den Kontakt zur Gemeinde und denken im Sinne der Wirtschaft mit. Und dann ist da der Punkt der sozialen Verantwortung: 2010 haben wir als IRB mit der Bürgermeisterin den Ritterhuder Bürgerfonds gegründet. Ein weiteres Beispiel für unser Engagement ist die Aktion „Ritterhude putzmunter“, die wir 2011 mit der Gemeinde ins Leben gerufen haben und für die Ritterhuder Firmen ihre Mitarbeiter freistellen. Natürlich ist es uns wichtig, Erträge zu erwirtschaften, aber auch, weil die es uns ermöglichen, sichere Arbeitsplätze zu gewährleisten und unseren sozialen Part in der Gesellschaft zu übernehmen.

Wo liegen für die Geschäftswelt die Probleme in Ritterhude?

Die sind vielfältig – ohne dass ich die priorisieren will. Beim Einzelhandel ist es, dass wir so eine inhomogene Struktur haben, dass Ritterhude nicht die klassische Einkaufsmeile hat, sondern aus einem breit gefächerten Einzelhandelsmix besteht, der dann auch noch über eine sehr große Fläche gestreut ist. Dafür sind natürlich verkaufsoffene Sonntage oder gemeinschaftliche Aktionen wie „Ritterhuder starker Samstag“ wichtig. Das zu bündeln, um einen gemeinsamen, starken Auftritt bieten zu können, ist ein immenser Kraftaufwand. Bis auf die verkaufsoffenen Sonntage hat davon nichts wirklich nachhaltig funktioniert. Und bis auf einen können im Moment auch diese verkaufsoffenen Sonntage nicht mehr stattfinden. Dazu kommt, dass wir innerhalb der Gemeinschaft eine ganz breite Gewerbestruktur haben. Dadurch sind natürlich die Fragestellungen, die Themen und Probleme ganz vielfältig. Da eine einheitliche Linie und Gedankengänge herzustellen, ist nicht einfach. Zu den aktuellen Problemen gehört außerdem das Thema Gewerbegebiete. Es gibt nur noch Lücken in bestehenden Gewerbeflächen; wenn sich in naher Zukunft Betriebe ansiedeln wollen, kann Ritterhude kein komplettes Gewerbegebiet anbieten. Mein Appell an die Politik ist, sich so schnell wie möglich darum zu kümmern.

Gibt es IRB-Projekte, die Ihnen besonders wichtig sind?

2007 habe ich initiiert, dass sich die Vorsitzenden der Gewerbevereine im Landkreis regelmäßig treffen; daraus sind mehrere Veranstaltungen entstanden. Beispielsweise der Business-Treff. Dabei treffen wir uns bei verschiedenen Veranstaltungen, wie etwa einer Aufführung der Freilichtbühne Lilienthal oder der Torfnacht, und tauschen uns dann im Anschluss aus. Ich finde es ganz wichtig, dass ich als Ritterhuder nicht nur an Ritterhude, sondern landkreisweit denke. Da gibt es genügend Ergänzungen, wo man sich helfen kann. Es geht darum, dass wir uns nicht abgrenzen, sondern gemeinsam denken – für den gesamten Landkreis.

Welche Eigenschaften sollte Ihr Nachfolger mitbringen?

Leidenschaft für das Thema Ritterhude und für die unterschiedlichen Gewerbebetriebe in Ritterhude sowie die Fähigkeit, diese unterschiedlichen Charaktere innerhalb der Gemeinschaft zu verbinden. Es ist aber noch keiner aufgesprungen, um den Job zu machen. Ich habe meine Entscheidung bewusst ein Jahr vorher bekanntgegeben, um Raum für Diskussion zu lassen und zu zeigen, dass es keine plötzliche Entscheidung ist, sondern wohlüberlegt. Ich selbst werde es auf gar keinen Fall weiterführen. Die Entscheidung fällt am 20. Juni.

Was könnte einen Nachfolger motivieren?

Die Tätigkeit macht Spaß; das ist ja kein Frust-Abschied von mir. Es ist toll, als Team mit dem jüngst erweiterten Vorstand zu arbeiten. Es ist bereichernd und motivierend mit Menschen zu arbeiten und seine eigenen Ideen umzusetzen. Denn die Ideen, die wir hier entwickeln, können wir in der Regel auch frei umsetzen. Die Erfolge, die wir damit hatten, die motivieren.

Das Interview führte Brigitte Lange.

Quelle: Weser Kurier, 20.03.2019, Autor: Brigitte Lange, Link zum Originalartikel